
Es gibt allerlei Anleitungen wie man Split in kleiner Körnung – oder zerbröselte Weinkorken anpinseln und so wie Kohle aussehen lassen kann. Mein Ansatz war etwas anderer Natur denn ich erinnerte mich, dass ich bei der Ausmistung des ehemaligen Kohlenkellers meines Elternhauses ein paar Eimer des Schwarzen Golds sicher gelagert Beiseite gestellt habe. Man weiß ja nicht wofür es gut ist. Ja doch, ich wusste es ganz genau. An eine Rückkehr der Kohlekraft am heimischen Kamin habe ich nicht geglaubt, an Dekoration für den Eisenbahn-Modellbau aber sehr wohl. Nun wurde es Zeit es in die Tat umzusetzen.
Echte Kohle als Kohleimitat
Problematisch an der Anthrazit Steinkohle ist erstmal, dass das maßstäblich doch ganz schöne Findlinge sind. Mit 30-50mm landen wir umgerechnet bei satten ~700-1100mm. Aber wo die Originale schon mal in Händen liegen, kann man das Maß auch direkt umrechnen um eine adäquate Modellbaugröße zu bekommen. Das wären dann 1,3-2,2mm. Das ist wirklich kein – mir persönlich zu klein als dass es noch gut aussieht. Dann kann man ja auch direkt Sand nehmen. Außerdem wurde beim großen Vorbild ohnehin nicht die Korngröße für den heimischen Kohleofen verfeuert, sondern empfindlich grober.
Also lassen wir es auch grob aussehen und rechnen doch π*Daumen. In der Praxis sah das dann so aus, dass ich mit einem kleinen Glaserhammer auf der Marmorplatte die originalen Anthrazitkohlen so lange behauen habe, bis ausreichend große bzw. kleine Stücke abfielen (mehr meterweit abflogen), die mir für den Kohlekasten von Alfried genehm schienen. Eine Sisyphusarbeit und alles andere als sauber, aber wenn sich der Bergmann schon unter Einsatz seines Lungenvolumens und sonstiger lebenswichtiger Körperbeschaffenheiten bequemt hat mir die Kohle aus dem Flöz zu holen, werde ich Sesselpupser wegen ein paar schmutziger Finger sicher nicht das Wehklagen beginnen.
Fixieren der Kohle im Kohlekasten
Da dank Gasbrenner der Verbrauch an Kohle durch den Heizer relativ gering ausfallen wird, bietet es sich ja aus guten Gründen an die Kohle direkt festzukeben. Außerdem, aber das wird bis zum Gegenbeweis geleugnet, besteht ohnehin gar keine Verbindung vom Kohlekasten zum Führerstand. Und immer auf der Reeling tänzeln riefe ohnehin die BG auf den Plan – ganz abgesehen davon dass die Lok mit derartigen Vorräten ohnehin nie von Ronsdorf nach Müngsten käme.
Also fülle ich erstmal den Kohlekasten ganz nach meinem persönlichen Geschmack: Gut gefüllt, aber mit leichter Delle. Erstmal nur reingeschüttet und mit ein wenig rütteln und rühren (Zahnstocher) gestopft, später tatsächlich einzelne Kohlen oben genau so positioniert wie man sie gerne hätte – damit man auch was zum Fluchen hat wenn man den Ponal drüberkippt und der die Komposition wieder verändert.
Da wären wir beim nächsten Thema: Womit kleben? Hier höre ich dankenswert demütig auf die vielzähligen Beschreibungen im Internet und versuche mich darin die Kohle ebenfalls mit einem Ponal-Wasser-Gemisch zu fixieren. Ponal, oder Weißleim bzw. Holzleim oder einfach Leim für die Öffentlich-Rechtlichen, hat die Eigenschaft nach Durchtrocknung nahezu farblos zu sein. Nahezu deshalb, weil ein leichter Film übrig bleibt. In dem Fall macht das allerdings nichts, da Kohle sowieso einen leichten Glanz hat – zumindest die hochwertige.
Je mehr Wasser man dem Ponal hinzugibt, umso länger dauert die Trocknungsphase. Warum dann überhaupt Wasser? Das Wasser dient der Verdünnung und sorgt dafür dass der Ponal in alle Ritzen vordringen kann und somit das gesamte Schüttgut miteinander verbindet. Ich habe Ponal zu Wasser im Verhältnis ca. 3:1 gemischt. Damit war es noch etwas zähflüssig, lief aber gut aus.Das Ganze habe ich dann in Ruhe über Nacht durchtrocknen lassen und später noch mal bei 75°C in den Ofen geschoben. Und da nichts perfekt ist, setze ich zuvor mit Sekundenkleber noch ein paar Körner außerhalb des Kohlekastens auf den Wasserkasten. Perfekt!
Das Arbeiten mit Sekundenkleber ist eine wahre Freude. Zunächst trägt man ihn dünn genau an den Stellen auf, auf denen später die Kohle kleben soll. Nun kann man einfach mit der Hand eine Priese Kohlenstaub und Körner drüberstreuen, kurz warten und den Rest abpusten. Noch ein Tropfen in die Masse für die bessere Verbindung, nochmal drüberstreuen und abpusten und fertig ist der Kohlehaufen. Verwendet habe ich UHU Sekundenkleber Blitzschnell da dieser durchgehärtet bis 80°C temperaturstabil ist bzw. sein soll. Leider hat er sich, obwohl nur ganz kleine Tropfen aus der Pipette kommen, noch etwas ausgebreitet, sodass ein milchiger Saum entstanden ist. Diesen konnte ich nach der Trocknung aber mit einem Zahnstocher ziemlich gut rückstandsfrei und ohne Lackschaden wieder von der Lok entfernen. Für das Foto habe ich die Kontraste extra etwas erhöht um es deutlicher herauszustellen.
Ich bin gespannt wie sich der Langzeittest auswirkt. Klebeverbindungen sollen ja gemeinhin fettfrei sein, was Kohle ja nun nicht unbedingt ist, auch wenn ich mit Anthrazit schon die höchst hängende Traube am Baum verarbeitet habe. Die erste Ausfahrt, ca. 1,5 Stunden, hat die Kohle schon mal schadlos überstanden.