
Noch vor einiger Weile konnte ich ganz zufrieden verkünden wie gut die nun mit Teflon gestopften Messingkolben im Zylinder laufen und ihre Arbeit verrichten. Das ging auch eine ganze Weile gut, bis… bis eben jener Lottropfen in der Rauchkammer auftauchte. Wie sich zeigte – und das hätte ich nicht gedacht – war die Nirostange lediglich weich in den Messingkolben angelötet. Halbwegs intensive Nutzung führte nun dazu dass sich das Lot verflüssigte und durch das Abdampfrohr durch den Zylinder in die Rauchkammer gelangte. Welch ein Glück dass es keinen Schaden verursachte bzw. sich im Abdampfkanal des Zylinders festsetzte und ihn verstopfte.
Die Folge der nun „losen Verbindung“ von Kolbenstange zum Kolben war natürlich, dass das Getriebe die Stange aus dem Kolben gezogen hat. Die Maschine blockierte. Nach äußerlicher Inspektion und dem Fazit dass äußerlich alles in Ordnung ist, musste das Problem im Zylinder sein, was es dann ja auch war. Also aufgemacht und reingeschaut.
Fazit: Neue Kolben müssen her. Der Bedarf an gelöteten Kolben, ganz gleich ob weich oder hart, war erstmal gedeckt und da man sich neuem nicht verschließt wurden die Vollteflonkolben von Regner bestellt und gewohnt zügig geliefert. Schließlich gibt es auch einige Anreiner an der Bahn im Garten, die vor allem auf die Dienstleistungen des Postwagens angewiesen sind! Große Ausfallzeiten sind tabu.
Unterschiedliche Kolbenlängen
Erstmals ist mir dieses Problem in grauer Theorie im Schienendampf-Forum begegnet. Nun stand ich selbst vor dem Problem.
Regner verwendet für die neuen Teflonkolben die selben Kolbenstangen wie für die alten Messingkolben. Die beiden Kolben sind allerdings unterschiedlich dick, wodurch der Teflonkolben 2mm mehr Länge der Kolbenstange beansprucht. Deshalb ist es für eine korrekte Zentrierung bei den neuen Teflonkolben notwendig den Kolben irgendwie um 2mm zu „verlängern“. Abhilfe schafft hier eine M2 Mutter, welche auf der Kreuzkopfseite auf die Kolbenstrange aufgeschraubt wird und so wieder eine korrekte Zentrierung des Kolbens an Position 0° und 180° des Treibzapfens im Fahrwerk garantiert.
Damit verkürzt sich die Einschraubung der Kolbenstange in den Kreuzkopf natürlich erheblich. Loctite 270 (endfest) schafft hier Abhilfe dass sich das nicht rausarbeitet.
Allerdings taucht noch ein weiteres Problem auf welches mir bei kurzer Stippvisite (ohne Lok) bei Reppingen nahe gebracht wurde: Die M2 Mutter verschwindet nicht mit in der Stopfmutter, sondern knallt davor. Abhilfe schafft hier entweder das Abschleifen oder das Aufbohren der Öffnung der Stopfpackung 2mm tief, sodass eine ausreichend stabile Führung weiter gewährleistet ist, die Mutter der Kolbenstange aber weiter in der Stopfmutter versenkt werden kann und der Kolben den vollen Weg gehen kann.
Messingkolben haben ausgedient
Das Ergebnis überzeugt. Ob die Lok jetzt, wie hier und kolportiert, mit den Teflonkolben wirklich leistungsfähiger sein soll oder bessere Chuffergeräusche machen sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall arbeitet sie nicht schlechter. Die Leistung der Lok ist nach wie vor zufriedenstellend gut.
Das Beitragsbild zeigt symbolisch ganz gut den Werdegang. Vom rohen, ungestopften Kolben zum mit Teflon gestopften, dann im Einsatz und schließlich recht schnell kaputt. 🙁 Sie werden wohl auch vielleicht irgendwann im Lokschuppen ihr Dasein fristen dürfen als dekoratives Detail.
2 Kommentare
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Hallo,
dieses Problem hatte ich auch, und zwar mit dem (Regner-) Kolben der Märklin-89.62. Der Vorbesitzer hatte die Lok offenbar wirklich gequält; beim ersten Anheizen war der Kolben bereits ab…
Tja, aber ich war mit der Lok verreist, Regner von dort per Website und ich per Post nicht erreichbar. Aber meine mobile Werkstatt war da zu meiner Verfügung und zum Glück ein guter Eisenwarenhändler (Werbung: Popken in der Stadt Norden) vor Ort.
Also: Für eine provisorische Reparatur kann man auch ein M3-Gewinde in die Kolbenstange schneiden, lang genug, dass Kolben und zwei Muttern draufpassen. Dann wird der Messingzylinder zwischen den beiden Muttern auf der Stange gesichert und wieder eingesetzt. Funktioniert und reicht aus (trotz Kolbenversatz), bis dann die Teflonkolben eingetroffen sind und ein dauerhafter Ersatz stattfinden kann…
Übrigens: NIEMALS versuchen, den Kolben wieder zu löten. Erstens kann man das kaum jemals richtig zentrieren, zweitens würde das Lot rasch bei aufgeheiztem Zylinder schmelzen (wie am Lötkolben ja auch) und dann hätte man den Salat, im Zylinder landet dann das Lot!
Danke Dir für Deine Ergänzungen! 🙂